DAS KRANKHEITSBILD
Diagnose

Plasmozytom, Multiples Myelom

Jeder Betroffene weiß, welche Herausforderung diese Krankheit bedeutet. Denn es handelt sich um eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems, bei der infolge einer starken Vermehrung entarteter Plasmazellen im Knochenmark das Immunsystem, die Knochensubstanz, die Nierenfunktion und andere Organfunktionen beeinträchtigt sein können.

Man unterscheidet zwischen dem Plasmozytom, bei welchem nur ein einzelner Krankheitsherd besteht, und dem Multiplen Myelom (MM). Bei letzterem sind mehrere Bereiche des Knochenmarks und evtl. auch andere Organe betroffen. Während beim Plasmocytom echte Heilungschancen bestehen, gibt es für das Multiple Myelom zumindest hochwirksame Therapiemöglichkeiten. In den letzten Jahren sind hierbei große Fortschritte erzielt worden, die sowohl die Überlebensdauer als auch die Lebensqualität während der Behandlungsdauer ganz erheblich verbessert haben.

Auch die Medizinische Klinik der Universität Freiburg verfügt hierzu über ganz spezielle Forschungs- und Therapieeinrichtungen, so dass für jeden Betroffenen bestmögliche Voraussetzungen für eine umfassende Diagnostik und eine individuelle Behandlung gegeben sind.

Allgemeine Informationen zur Erkrankung

Symptome des Multiplen Myeloms

Bei einem Laborbefund mit niedrigem Hämobglobinwert, erhöhtem Gesamteinweiß, erhöhter Gamma-Globulinfraktion, erhöhtem M-Gradienten, monoklonalen Paraproteinen und einer klassischen Symptomatik wie Müdigkeit, Mattigkeit, und ggf. Knochenschmerzen (Rücken!) ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt die Werte richtig zu deuten weiß, um evtl. die Diagnose eines Multiplen Myeloms (MM) stellen zu können. Der aufgesuchte Hausarzt, Facharzt und insbesondere der Orthopäde sollte bei Verdacht ggfls. mit einem Hämatologen/Onkologen Kontakt aufnehmen - vor allem bei ansonsten nicht erklärbaren Schmerzen - und eine umfangreiche Blutuntersuchung veranlassen.


Auszug aus Therapiebegleiter zum Multiplen Myelom/Plasmozytom
Leukämiehilfe RHEIN-MAIN e.V., 2017

Beim Multiplen Myelom handelt es sich um eine bösartige Bluterkrankung. Sie tritt an verschiedenen Stellen im Knochenmark, diffus oder herdförmig, auf. Oft wird das Multiple Myelom auch als Knochenmarkkrebs bezeichnet. Das MM geht von den sogenannten Plasmazellen aus, die im Immunsystem für die Antikörperbildung zuständig sind. Durch die bösartige Entartung der Plasmazellen gerät die Vermehrung der Zellen im Knochenmark beim MM außer Kontrolle. Diese Plasmazellen vermehren sich und bilden Klone (genetisch identische Zellen). Die krankhaft veränderten Plasmazellen produzieren alle die gleichen, sog. monoklonalen Antikörper/Immunglobuline oder Bruchstücke von Antikörpern, die sog. Paraproteine. Diese sind aufgrund ihrer Gleichheit ungeeignet, die unterschiedlichen Aufgaben in der Infektionsabwehr zu erfüllen. Im Krankheitsverlauf verdrängen die entarteten Plasmazellen die normalen Zellen der Blutbildung im Knochenmark. Die Produktion von funktionstüchtigen Antikörpern wird dadurch behindert und die Immunabwehr wird geschwächt.

Treten die entarteten Plasmazellen an mehreren Stellen im Knochenmark auf, spricht man vom Multiplen Myelom. Gibt es nur eine befallene Stelle, typischerweise als lokalisierter Herd ohne Knochenmarksbefall, so wird die Krankheit als Plasmozytom bezeichnet.

Die unkontrollierte Vermehrung der entarteten Plasmazellen im Knochenmark und die Bildung von sog. Paraproteinen können neben der Schwächung der Immunabwehr zur allmählichen Auflösung der Knochensubstanz, zur Veränderung des Blutbildes und zu Organschädigungen, wie z.B. der Nieren, führen.

Das Multiple Myelom macht etwa 1% aller Krebserkrankungen aus. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Eine dauerhafte Heilung ist mit den zur Zeit verfügbaren Behandlungsmethoden bei einem Plasmozytom möglich, beim Multiplen Myelom hingegen nur sehr selten zu beobachten.